Auf den Spuren jüdischen Lebens in Rothenburg ob der Tauber

Am 16. Mai machten wir uns auf den Weg nach Rothenburg ob der Tauber, um die Spuren jüdischen Lebens in dieser mittelalterlichen Stadt zu erkunden.

Nach einem Empfang durch Oberbürgermeister Christoph Rösch zeigten uns die Städteführerinnen Karin Bierstedt und Camilla Ebert die historische Altstadt. Dabei wurde deutlich, wie eng jüdisches und christliches Leben hier über Jahrhunderte miteinander verbunden waren und das Stadtbild bis heute prägen.

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des Hauses in der Judengasse 10. Das Denkmal, das von KULTUR ERBE BAYERN übernommen und aufwendig restauriert wurde, zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen jüdischer Geschichte in Deutschland. Mit seiner spätmittelalterlichen Bohlenstube und der erhaltenen Mikwe eröffnet es einen außergewöhnlichen Einblick in die Lebenswelt des 15. Jahrhunderts.

Wie eindrucksvoll dieser Zugang zur Vergangenheit sein kann, zeigte die Führung durch die Mikwe mit unserer Vorsitzenden, der Historikerin Dr. Sybille Krafft. Der Lehmboden, die Gewölbedecke und die kühle Luft schufen eine Atmosphäre, in der Geschichte unmittelbar sinnlich erfahrbar wurde. Das erhaltene Tauchbecken verweist auf die zentrale religiöse Bedeutung dieses Ritualortes für die jüdische Gemeinde.

Zum Abschluss besuchten wir die Stadtkirche St. Jakob mit Pfarrer Dr. Oliver Gussmann teil. Höchst anschaulich erklärte er uns die historischen Verbindungen zwischen jüdischer und christlicher Symbolik innerhalb dieser evangelischen Kirche.

Die Exkursion bot nicht nur spannende Einblicke in die Geschichte Rothenburgs, sondern zeigte auch, wie wertvoll historische Orte für die Vermittlung jüdischer Kultur sind. Die authentischen Schauplätzen machten Vergangenheit unmittelbar erfahrbar und eröffnete, neue Zugänge zu einem wichtigen Teil unserer Erinnerungskultur.