Das Leuchtenfeld

Eine Kunstinstallation am BADEHAUS:

Unter dem Motto „Licht an für mehr Menschlichkeit“ zeigt der Erinnerungsort BADEHAUS „Das Leuchtenfeld“ – eine Installation des Künstlers Markus Heinsdorff, die 2021 in Kooperation mit der Gemeinschaft Schloss Blumenthal entstanden ist. Für das BADEHAUS wurde das ursprünglich aus 144 Stelen bestehende Kunstwerk neu angeordnet: 36 illuminierte Leuchten aus orangefarbenen Schwimmwesten von Geflüchteten, die aus dem Mittelmeer gerettet wurden, sollen nun auch in Waldram auf das Thema Flucht und die damit verbundenen Schicksale aufmerksam machen.

Leuchtenfeld Entwurf Erinnerungsort BADEHAUS

Nach wie vor ertrinken Menschen im Mittelmeer. Für sie sind Schwimmwesten zum Symbol geworden. Markus Heinsdorff entwickelte daraus das Konzept einer orangeglühenden Leuchtstelen-Installation. Jede Stele ist 4,40 m hoch und mit einer 40 cm hohen und 26 cm breiten Leuchte versehen, deren Schirme aus 123 gebrauchten und an Ufern des Mittelmeers zurückgelassenen Schwimmwesten bestehen. Mehr als 60 ehrenamtliche Helfer*innen der Gemeinschaft Schloss Blumenthal haben diese Westen, die Gebrauchsspuren, Salzrückstände und Verwitterungen zeigen, in ihre Einzelteile zerlegt, die Stoffe wieder zu Bahnen vernäht und daraus die Schirme gefertigt, deren Leuchtkörper in der Dämmerung magisch zu glühen beginnen.

Für die Präsentation in Waldram hat der Erinnerungsort BADEHAUS in aufwändiger Eigenarbeit 36 Einzelfundamente um das Haus gesetzt. So konnte auch hier trotz beschränkter Fläche eine Leuchtenreihe stellvertretend für Millionen von Menschen, die sich auf der Flucht befinden, installiert werden.

Übrigens: 36 Leuchten passen im exakten Abstand von 3 Metern um das BADEHAUS. Sie werden mit 4 Stromkreisen à 9 Lampen zum Erleuchten gebracht – und in unserem Museum werden 4 Zeitschichten in 9 Räumen dargestellt. Nach Pythagoras steht die Zahl 4 zusammen mit der Zahl 9 für Gerechtigkeit und Brüderlichkeit…

Der Künstler Markus Heinsdorff

Leuchtenfeld Ausstellung Heinsdorff Erinnerungsort Badehaus

Heinsdorff arbeitet als international anerkannter Künstler und sieht seine Werke als experimentelles Zukunftslabor mit den Themenschwerpunkten Umwelt und Soziales. So erforscht er in Kooperation mit der TU München, wie man aus Recycling-Material oder Abfall klimatisch angenehme, wohnliche Häuser sehr günstig bauen kann, z.B. in Afrika. Er entwirft und realisiert in Tunesien architektonisch gestaltete Wertstoffhöfe als Zentren der Begegnung. Mit Studierenden erarbeitete er ein preisgekröntes mobiles Kleinst-Wasserkraftwerk für Entwicklungsländer. Vor drei Jahren entstand ein Prototyp einer 10 m hohen Wassertankstelle mit Windturm in Sansibar sowie ein Turm mit einer 50 qm großen Fassade, gebaut nur aus gesammeltem Plastik aus dem Meer bei Kapstadt.

Heinsdorffs Objekte, Installationen und Architekturen wurden in vielen Ländern wie z.B. China, Indien, Indonesien und in Südamerika ausgestellt.

 

Ursachen für Flucht und Migration

Ein Mensch, der seine Heimat verlässt, hat in der Regel keine Zukunftsperspektiven oder befindet sich in einer lebensbedrohlichen Lage. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen, die auf der Flucht sind, weltweit verdoppelt. Die Zahl der Geflüchteten, die zurzeit in Deutschland leben, liegt bei etwa 1,1 Millionen.

Aktuell befinden sich fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht. Viele hausen unter katastrophalen Bedingungen in Flüchtlingslagern in den Entwicklungsländern, an den Grenzen Europas oder auf griechischen Inseln.

Verfolgung ist der häufigste Grund, warum Menschen die Flucht antreten. Sie fliehen vor Gewalt, die ihnen aufgrund ihrer Nationalität, Religion, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder politischen Einstellung droht. Auch bewaffnete Konflikte führen unweigerlich dazu, dass Menschen ihre Heimat verlassen, um ihr eigenes Leben zu retten. Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit sind weitere Gründe für die Migration. Außerdem wird geschätzt, dass die Folgen des Klimawandels bis 2050 mehr als 140 Millionen Klimaflüchtlinge hervorrufen könnten.

Es muss eine gemeinsame, europäische Lösung gefunden werden, die u.a. folgende Aspekte berücksichtigt:
• mehr legale Einreisemöglichkeiten für Schutzsuchende
• ein funktionierendes System zur Seenotrettung
• ein Einhalten der humanitären Standards
• ein Überdenken der Verlagerung von Grenzschutz und Flüchtlingsabwehr in Nachbarstaaten der EU
• eine gemeinschaftliche Flüchtlingspolitik, bei der alle Mitgliedstaaten Verantwortung übernehmen.

Leuchtenfeld auf Schloss Blumenthal

Kooperation mit Schloss Blumenthal

2006 gründete sich bei Aichach eine Gemeinschaft, die Schloss Blumenthal und dessen Wirtschafts- und Wohngebäude erwarb, behutsam sanierte und auch für die Öffentlichkeit zugänglich machte. Für sein Engagement im Bereich Soziales, Kunst & Kultur, Ökonomie, Ökologie, Gesundheit & Bewusstsein ist das Gemeinschaftsprojekt weit über die Region hinaus bekannt. In diesem „Lebens-Lernort“ mit seiner nachhaltigen Bewirtschaftung, seinem ökologischen Landbau und seinem Wissenstransfer durch Bildungsarbeit und Seminarbetrieb werden in Zeiten von Klimawandel und sozialen Umbrüchen nachhaltige Lebensformen in Schloss Blumenthal praktisch erprobt und gelebt.

Interessierte können sich für Leuchtstelen vormerken lassen und diese vom Künstler signierten Einzelobjekte später gegen eine Spende an geeigneten Orten aufstellen. Bis auf die Materialkosten werden alle Erlöse an sorgfältig ausgewählte Organisationen gespendet, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren.

 

Kooperation mit dem Erinnerungsort BADEHAUS

„Das Leuchtenfeld“, das mit den Mitteln der Kunst auf das so aktuelle Thema Migration aufmerksam macht, ist eine geradezu kongeniale Installation im Außenbereich für diesen Ort der Erinnerung, des Lernens und der Begegnung. Bis zum 8. Mai, dem Gedenktag an das Ende des Zweiten Weltkriegs, soll damit auch an die 21 500 Menschen gedacht werden, die nach Schätzungen des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen allein zwischen 2014 und dem Sommer 2021 auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken sind.

Bilder Aufbau Leuchtenfeld Erinnerungsort BADEHAUS

Weitere Informationen zum Projekt und Spendenmöglichkeiten für die Flüchtlingshilfe finden Sie hier:

Gefördert durch:

Copyright Fotos: Justine Bittner, Jonathan Coenen, Lisa Martin

  • 19. Februar 2022
  • 0:00 - 0:00