Geschichte verbindet – Ukrainische Besuchergruppen zu Gast im Erinnerungsort BADEHAUS

In den vergangenen Monaten hat der Erinnerungsort BADEHAUS mehrere ukrainische Besuchergruppen empfangen. Geführt wurden sie in ihrer Muttersprache von der Historikerin Prof. Dr. Olena Korzun, die die Geschichte des Ortes aus ukrainischer Perspektive vermittelte.

© Olena Korzun

Im Mittelpunkt standen die Schicksale ukrainischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Flucht, Vertreibung und Neuanfang – Themen, die eng mit unserem Ort verbunden sind und für viele ukrainische Familien bis heute eine persönliche Bedeutung haben, da sie selbst Krieg und Flucht erfahren mussten.

© Olena Korzun

Die Gruppen reichten über alle Generationen: von einer zwölfjährigen Teilnehmerin bis zu Gästen von über 70 Jahren, angereist aus München und Ingolstadt. So verschieden ihre Lebenswege auch waren – die ukrainischen Spuren an diesem Ort berührten alle. Die Erzählungen von Zwangsarbeitskräften, von entwurzelten Familien und zerbrochenen Lebenswegen brachten viele dazu, während des Rundgangs eigene Familiengeschichten zu teilen: von Deportation, Zwangsarbeit und dem Verlust von Angehörigen im Krieg.

So entwickelte sich ein intensiver Austausch. Die Gäste sprachen über die Erfahrungen ihrer Familien, über Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und darüber, wie eng die Geschichte ihrer Heimat mit der europäischen verwoben ist. Auf diese Weise wurde das Museum nicht nur zu einem Ort der historischen Bildung, sondern zu einem Raum des Zuhörens, des Erinnerns und des Dialogs.

Für viele wurde der Besuch damit weit mehr als ein Museumsrundgang. Zahlreiche Gäste hielten ihre Eindrücke im Gästebuch fest und beschrieben, wie sehr die Begegnung mit den Geschichten des Ortes sie bewegt hat. Die große Resonanz zeigt, wie wichtig solche Orte des gemeinsamen Erinnerns sind.

© Olena Korzun

Für Prof. Dr. Olena Korzun lag gerade in dieser Verdichtung von Geschichte das Eindrückliche der Begegnungen: „What touched us especially was this extraordinary “spiral of time and human destinies” embodied in the history of Badehaus itself — the way different historical layers, migrations, wars, forced displacement, and personal tragedies intersect within one physical space.“

(„Besonders berührt hat uns diese außergewöhnliche ‚Spirale der Zeit und der menschlichen Schicksale‘, die sich in der Geschichte des BADEHAUSES selbst verkörpert – die Art und Weise, wie sich unterschiedliche historische Schichten, Migrationen, Kriege, Zwangsvertreibungen und persönliche Tragödien an einem einzigen Ort überschneiden.“)

 

Der Erinnerungsort BADEHAUS wird die Zusammenarbeit mit Dr. Olena Korzun fortsetzen und weitere ukrainische Gruppen willkommen heißen. Denn Erinnerung lebt vom Dialog – davon, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen.