Wir trauern um Maria Schmidt

Eine unserer wichtigsten Zeitzeuginnen für die frühe Waldramer Geschichte ist am 2. April kurz vor ihrem 90. Geburtstag gestorben: Maria Schmidt.

Ihr zu Ehren verlängerten wir unseren Kurzfilm am Dach des Erinnerungsortes BADEHAUS zu „80 Jahre Flucht und Vertreibung“, in dem sie und ihre Schwester Anna vom Schicksal der heimatvertriebenen Frauen erzählten, bis zum 23. April 2026 – dem Tag der Beerdigung von Maria Schmidt.

In unserem Erinnerungsort BADEHAUS ist Maria Schmidt mit ihrer Familiengeschichte verewigt. Ihre Kurzbiografie wird in unserem „Wald der Erinnerung“ in einer Medienstation dokumentiert:

Maria Schmidt wurde am 8. April 1936 in Neudorf im Egerland (heute Trstěnice in Tschechien) geboren. Sie erlebte die Vertreibung gleich zweimal: Im Oktober 1945 bekam die insgesamt fünfköpfige Familie den Befehl, noch am gleichen Tag ihren Bauernhof zu verlassen. Im Juni 1946 erfolgte die endgültige Ausweisung – im Viehwaggon ging es nach Bayern.

Hier machten die Schmidts die Erfahrung, dass keiner sie wollte. Die Bauern suchten sich bevorzugt arbeitsfähige Leute aus, wenn sie schon Flüchtlinge aufnehmen mussten. „Übrig blieben die, die Kinder hatten“, so Maria, „wer holt sich schon Esser ins Haus?“ Sie kamen erst in Gut Wadlhausen bei Icking unter, später in einem Behelfsanbau der Gastwirtschaft „Walchstädter Höh“. Die Lebensumstände waren prekär.

Krankheit und Elend beherrschten die ersten Jahre. Der Vater starb 1948 an Tuberkulose, die Schwestern fast an Typhus. Als Witwe mit drei Kindern erlebte die Mutter von einigen Einheimischen Anfeindung und Misstrauen. Andere im Dorf zeigten sich dagegen hilfsbereiter und schenkten ihnen Möbel. 1956 gelang der Familie der finanzielle Kraftakt, ein Eigenheim im damaligen Lager Föhrenwald zu erwerben. Die Schwestern verließen 1959 berufsbedingt das Elternhaus. Maria wurde Volksschullehrerin, Anna Krankenschwester. Beide kehrten später wieder nach Waldram zurück.

Maria war eine unserer treuesten Zeitzeuginnen und ein gern gesehener Gast in unserem Museum. Zusammen mir ihrer Schwester durften wir sie fast jeden Monat bei einer Veranstaltung im BADEHAUS begrüßen. Wir werden sie sehr vermissen.