Wir trauern um Otto-Ernst Holthaus

„Ernesto“, wie ihn Freunde nennen durften, war mit dem BADEHAUS in ganz besonderer Weise verbunden. Er war ein zentraler Zeitzeuge und Unterstützer unseres Erinnerungsortes.

1931 in Bremen geboren, zog er mit seiner Familie schon bald nach Grünwald und wurde dort, wie alle Kinder seiner Zeit, zum Deutschen Jungvolk verpflichtet. In mehreren Gesprächen berichtete er uns anschaulich, differenziert und mit selbstkritischer Offenheit, wie er als Zwölfjähriger begeistert die HJ-Uniform getragen, nationalsozialistische Lieder gesungen und an paramilitärischen Übungen im Hochlandlager Königsdorf teilgenommen hatte.

Seine katholische Mutter steuerte sanft dagegen, sie ließ ihn amerikanische Radionachrichten hören und vermittelte ihm christliche Werte. Als Otto-Ernst im Alter von 14 Jahren den Todesmarsch an seinem Haus vorbeiziehen sah, war die nationalsozialistische Indoktrination endgültig gescheitert. Der Anblick der geschundenen Menschen erschütterte den Jugendlichen zutiefst und ließ ihn fortan nicht mehr los.

Neben seiner späteren Tätigkeit als Geschäftsmann – unter anderem als Gründer und Inhaber des Isar-Kaufhauses – engagierte sich Otto-Ernst Holthaus Zeit seines Lebens für die Erinnerungskultur, für Demokratie und Verbundenheit mit dem Judentum sowie gegen jede Art von Extremismus. In den 1980er Jahren initiierte er gemeinsam mit Dr. Ekkehard Knobloch die Mahnmale entlang der Route des Dachauer Todesmarsches. Das Bozzetto zu den 23 Wegstrecken-Denkmalen ist in unserer Dauerausstellung zu sehen.

„Ernesto“ war außerdem der allererste Förderer unseres zivilgesellschaftlichen Erinnerungsprojekts. Bei einem Besuch von Max Mannheimer im September 2012 überreichte er uns seine erste Spende. Diese Geste der Solidarität war für unsere junge Bürgerinitiative nicht nur eine handfeste Hilfe, sondern auch eine große Ermutigung – zeigte sie doch, dass es Menschen gab, die bereit waren, unsere Idee mitzutragen. Bis zu seinem Tod am 9. April 2026, nur wenige Monate nach seinem 95. Geburtstag, hat uns Otto-Ernst Holthaus immer wieder unterstützt. Mit Ausschnitten aus seinem Zeitzeugeninterview in unseren Medienstationen und mit einem Porträt seines Freundes Max Mannheimer, das „Ernesto“ gemalt hat, ist er in unserem Museum präsent.

Wir werden ihn als aufrechten Weggefährten und vorbildhaften Freund sehr vermissen.